Tuch Steinmüller wurde in Gummersbach die Familie um Friedrich Wilhelm Steinmüller, Gründer des Tuchgroßhandels W. Steinmüller & Sohn, genannt. Willkommen zu einem charmanten Blick in die Familiengeschichte Steinmüller aus Gummersbach.

W. Steinmüller & Sohn - Die Tuchgroßhandlung wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Gummersbach gegründet von Friedrich Wilhelm Steinmüller, dem ältesten Sohn von Peter Wilhelm Eberhard Steinmüller, dem Musiker und Gründer der Papierfabrik Steinmüller. In der Gründerzeit florierte der Tuchhandel und W. Steinmüller & Sohn und entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Tuchgroßhandlungen in Deutschland. Doch blieb der Tuchhandel immer im Schatten der sehr erfolgreichen Dampfkesselfabrik, die Wilhelms jüngere Brüder Lebrecht und Carl gegründet hatten. Die Dampfkesselfabrik L&C Steinmüller entwickelte sich zum größten Arbeitgeber in der Region und fand weltweites Ansehen.

"Steinmüller ist Gummersbach - und Gummersbach ist Steinmüller" so lautete ein Bonmot.

Eine spannende Familiengeschichte, geprägt von dem Willen zum Machen und dem Savoir-faire einer Unternehmerfamilie.

Mit seinem neuen Buchprojekt macht Autor und Fotograf Wolfgang Groeger-Meier eine Zeitreise durch die bewegte Geschichte der Familie Steinmüller. In über siebzig alten Fotoalben seiner Familie entdeckt Wolfgang Groeger-Meier die kleinen und großen Geschichten der Steinmüllers, die geprägt sind von Start-ups, Unternehmergeist und Savoir-vivre. Für die Recherche zu seinem neuen Buch begibt er sich auf einen Ausflug in die Welt der alten Bilder, Erzählungen und die Jugend von Margarete Steinmüller, genannt Gretel, seiner Mutter. 

Gretel Steinmüller wuchs als Tochter des Textilgroßhändlers Ernst Steinmüller in Gummersbach im gesellschaftlichen Mikrokosmos einer Familie von Musikern und Erfindern, Gründern, Fabrikanten und Textilgroßhändlern auf. Steinmüllers reisten um 1870 nach Brüssel, Paris, London, Konstantinopel, Wien und fotografierten auf ihren Reisen. Schon im 19. Jahrhundert dachten Steinmüllers global und waren doch ihrer Heimatstadt sehr verbunden. Ihre Familie begegnete Kaiser Wilhelm, Ludwig Erhard und Familie Habermas. Savoire-faire und menschliche Werte waren der Kompass der Familie. Gretel Steinmüller erlebte eine Jugend, die es in dieser Form heute wohl nicht mehr in Deutschland gibt. 

Ihre blaue Augen funkelten, wenn Gretel Steinmüller von ihrer Kindheit in der schönen Villa ihrer Eltern in Gummersbach, von ihren vielen Reisen, ihrem Beruf und ihrem Leben in Frankreich sprach. Von der Geschichte ihrer Familie Steinmüller erzählte sie "immer mit Humor, nie mit Allüren" - so eine Freundin über Gretel.

Auf diesen Seiten geht es weiter zu einem kurzen Blick in die Familiengeschichte Steinmüller aus Gummersbach, insbesondere den Zweig der Familie Steinmüller um den Tuchgroßhandel W. Steinmüller & Sohn:

Das Examen frisch in der Tasche und auf dem Sprung nach München:  Gretel Steinmüller 1951 in Köln.

W. Steinmüller & Sohn

Die Familientradition

Friedrich Wilhelm August Steinmüller gründete 1864 in Gummersbach seine erste Tuchgroßhandlung. Inspiriert von seinem Großvater, dem Schneider Johann Steinmüller, und dem Kolonialwarengeschäft seiner Eltern war er mit dem Handel vertraut und durch das Schneiderhandwerk im Umgang mit feinen Stoffen geübt.

Aus diesem mit seinem Schwager gegründeten Tuchhandel schied Friedrich Wilhelm August Steinmüller Ende 1888 aus. Am Neujahrstag 1889 gründete er mit seinem ältesten Sohn Friedrich Wilhelm den Tuchhandel W. Steinmüller & Sohn für feine Futterstoffe, Tuche und Schneiderbedarf.

1899 wurde der jüngere Sohn Ernst Steinmüller, Gretels Vater, mit sechsundzwanzig Jahren zum Teilhaber von W. Steinmüller & Sohn. Mit guten Geschäften in Süddeutschland, insbesondere den große Schneiderateliers in München, trug ernst Steinmüller maßgeblich zum Erfolg von W. Steinmüller & Sohn bei.

 

Friedrich Wilhelm August Steinmüller, hier mit seiner Frau Auguste, geb. Hücking aus Lüdenscheid, gründete 1889 den Tuchgroßhandel W. Steinmüller & Sohn in Gummersbach.

Mit der Industrialisierung entwickelte sich auch die Textilindustrie rasant. Es waren die goldenen Jahre - auch die Schneiderateliers hatten volle Auftragsbücher. Eleganz und Stil waren in der Gesellschaft gefragt. Ein maßgeschneiderter Anzug aus feinem Tuch mit entsprechendem Futterstoff war im 19. und 20. Jahrhundert die perfekte Visitenkarte eines Herren. Feine Details wie ausgesuchte Knöpfe, Garn und eine tadellose Verarbeitung durch den Schneider machten den perfekten Anzug aus. 

W. Steinmüller & Sohn zählte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Tuchgroßhandlungen in Deutschland. Schneider und Unternehmen in ganz Deutschland bestellten ihre Stoffe, Garne und Accessoires bei Steinmüller. Die Tuchgroßhandlung W. Steinmüller & Sohn führte ausgewählte feine Stoffe wie Flanell, Tweed, Futterstoffe, Knöpfe, Garne, Zwirne im Sortiment. Steinmüllers kauften die Stoffe vorwiegend in England, Belgien und Frankreich ein. Zunächst belieferte W. Steinmüller & Sohn hauptsächlich Kunden im Rheinland und in Westfalen. Mit dem guten Ruf und viel Engagement weitete sich der Kundenkreis schnell aus. Nach dem ersten Weltkrieg eröffnete W. Steinmüller & Sohn Niederlassungen in Düsseldorf, Köln, Hamburg.

Firmensitz und Kontor war das schöne oberbergische Haus „Tuch Steinmüller“ mitten in Gummersbach, ein schiefergedecktes Haus aus dem 16. Jahrhundert. Das Haus im historischen Stadtkern von Gummersbach in der Brückenstraße war zunächst Bauernhaus, dann Kontorhaus, bevor es von Wilhelm Steinmüller als Wohn- und Geschäftshaus für seine Familie und seinen Tuchhandel W. Steinmüller & Sohn genutzt wurde.

Das Geschäftshaus von W. Steinmüller & Sohn in Gummersbach ist auch das Geburtshaus von Ernst Steinmüller.

Neuer Namensgeber des Hauses Tuch-Steinmüller ist der in Gummersbach geborene Künstler Bruno Goller, der seit 1927 in Düsseldorf lebte. Viele Gummersbacher Postkarten zeigten das Haus Tuch-Steinmüller, das heute unter Denkmalschutz steht.

Willi, der älteste Sohn von Friedrich Wilhelm und mit ihm die nächste Generation, wurde 1925 als Teilhaber in die Firma aufgenommen. 

Zum 50. Firmenjubiläum der Firma W. Steinmüller & Sohn erscheint am 31.12.1938 ein Bericht im „Oberbergischen Boten“:

Wilhelm Steinmüller gründete 1889 den Tuchhandel zusammen mit seinem ältesten Sohn Friedrich Wilhelm, der in Brüssel und London seine Fachkenntnisse erweitern konnte. Friedrich Wilhelm engagierte sich nach dem ersten Weltkrieg als erster Vorsitzender des Verbandes der Großhändler in Futterstoffen und Schneiderbedarfsartikeln, was auch der Firma W. Steinmüller & Sohn Ansehen brachte.

Besonders dem großen Engagement von Ernst Steinmüller ist es zu verdanken, dass in Süddeutschland zahlreiche Schneider als dauerhafte Kunden gewonnen wurden und der Firma W. Steinmüller & Sohn sehr gute Umsätze sicherte.

Friedrich Wilhelm August Steinmüller, 1838-1910, Gründer der Tuchgroßhandlung W. Steinmüller & Sohn, nicht signiertes Portrait

Ernst Ludwig Heinrich Steinmüller, 1873-1950, Sohn des Gründers Friedrich Wilhelm August Steinmüller, Portrait von Anton Hackenbroich, entstanden 1951 nach einem Foto 

Friedrich Wilhelm Steinmüller, 1863-1949, Sohn des Gründers Friedrich Wilhelm August Steinmüller, Portrait signiert August Köhler, 1.6.1929

Franz Wilhelm (Willi) Steinmüller, 1893-1959, Sohn von Friedrich Wilhelm Steinmüller, Portrait signiert C. Stolz 1961

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