W. Steinmüller & Sohn war ein Tuchgroßhandel mit Sitz in Gummersbach. Tuch Steinmüller wurde in Gummersbach die Familie um Friedrich Wilhelm Steinmüller, den Gründer des Tuchgroßhandels W. Steinmüller & Sohn, genannt. Friedrich Wilhelm August Steinmüller war der älteste Sohn von Peter Wilhelm Eberhard Steinmüller, dem Musiker und Gründer des Familienunternehmens Steinmüller. 

"Steinmüller ist Gummersbach - und Gummersbach ist Steinmüller" so lautete ein Bonmot im Oberbergischen.

Der Tuchgroßhandel W. Steinmüller & Sohn führte feine Futterstoffe und Tuche, sowie Schneiderbedarf im Sortiment. Schneiderateliers von Hamburg bis München bestellten Stoffe für die Herstellung von Anzügen bei W. Steinmüller & Sohn. In der Gründerzeit entwickelte sich W. Steinmüller & Sohn zu einer der bedeutendsten Tuchgroßhandlungen in Deutschland. 

Gummersbacher waren bereits im 19. Jahrhundert viel auf Reisen. "Klein Paris" nannten sie Gummersbach, ihre schöne Stadt.

W. Steinmüller & Sohn

Die Familientradition

Peter Wilhelm Eberhard Steinmüller machte, wie schon sein Vater, eine Schneiderlehre. Seit seiner Kindheit musizierte Peter Wilhelm Eberhard Steinmüller, er spielte auch in einer Musikkapelle und kam mit dieser Kapelle zu einem Auftritt das erste Mal nach Gummersbach. Als Musiklehrer kehrte Peter Wilhelm Eberhard Steinmüller wieder zurück nach Gummersbach und blieb im Oberbergischen. Mit seiner Frau Wilhelmine, geb. Heuser, betrieb er in Gummersbach einen Kolonialwarenladen. Nebenbei handelte er mit Musikinstrumenten, denn Geld war in der Familie mit sechs Kindern immer knapp. So waren neue Ideen zur Verbesserung der Einnahmen gefragt.

Im Alter von 56 Jahren gründete Peter Wilhelm Eberhard Steinmüller 1855 in Gummersbach die Papierfabrik zur Herstellung von Glas- und Wachspapieren. Der Start für das Familienunternehmen Steinmüller. Seine Frau Wilhelmine und seine drei Söhne Friedrich Wilhelm, Lebrecht und Carl halfen in den Anfangsjahren in der Papierfabrik mit. Bei der guten Nachfrage nach den Glas- und Wachspapieren aus Gummersbach vergrößerte sich Steinmüllers Papierfabrik schnell.

Nach neun Jahren Mitarbeit in der väterlichen Papierfabrik schied der älsteste Sohn, Friedrich Wilhelm August Steinmüller, aus dem Familienbetrieb aus. Mit seiner ersten Tuchgroßhandlung machte er sich in Gummersbach selbstständig. Inspiriert von seinem Großvater, dem Schneider Johann Steinmüller, und dem früheren Kolonialwarengeschäft seiner Eltern, war er mit dem Handel wohl vertraut und im Umgang mit feinen Stoffen geübt. Beste Grundlagen für Steinmüllers Tuchgroßhandlung.

Diesen mit seinem Schwager gegründeten Tuchhandel verließ Friedrich Wilhelm August Steinmüller Ende 1888. Am darauffolgenden Neujahrstag gründete er mit seinem ältesten Sohn Friedrich Wilhelm den Tuchgroßhandel W. Steinmüller & Sohn. Die Tuchgroßhandlung führte ausgewählte feine Tuche, Futterstoffe, Knöpfe, Garne, Zwirne im Sortiment. Zunächst wurden hauptsächlich Kunden im Rheinland und in Westfalen beliefert. 

Von der wachsenden Industrialisierung profitierten auch die Textilbetriebe. Es waren die goldenen Jahre. Eleganz und Stil waren in der Gesellschaft gefragt. Auch die Schneiderateliers erlebten eine Blütezeit mit vielen Aufträgen. Ein maßgeschneiderter Anzug aus feinem Tuch mit entsprechendem Futterstoff war im 19. und 20. Jahrhundert die perfekte Visitenkarte eines Herren. Schöne Details wie feine Knöpfe, passendes Garn und die tadellose Verarbeitung durch den Schneider machten den perfekten Anzug aus. Dafür lieferte W. Steinmüller & Sohn ausgesuchte Tuche und die dazu passenden geschmackvollen Accessoires.

 

Friedrich Wilhelm August Steinmüller, hier mit seiner Frau Auguste, geb. Hücking aus Lüdenscheid, gründete 1889 den Tuchgroßhandel W. Steinmüller & Sohn in Gummersbach.

Mit viel Engagement und dem guten Ruf von W. Steinmüller & Sohn weitete sich der Kundenkreis schnell aus. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte W. Steinmüller & Sohn zu den ersten Adressen im Tuchhandel. Nach dem ersten Weltkrieg eröffnete die Gummersbacher Tuchgroßhandlung Niederlassungen in Düsseldorf, Köln, Hamburg. Auch in Freiburg, Augsburg und vor allem in München fand W. Steinmüller & Sohn einen großen Kundenstamm.

Zehn Jahre nach der Gründung der Tuchgroßhandlung wurde der jüngste Sohn Ernst Steinmüller mit sechsundzwanzig Jahren zum Teilhaber von W. Steinmüller & Sohn. Mit Erfolg und guten Geschäften in Süddeutschland, insbesondere mit den großen Schneiderateliers in München, trug Ernst Steinmüller maßgeblich zu den vollen Auftragsbüchern von W. Steinmüller & Sohn bei. Ernst Steinmüller war nach dem Aufenthalt in London und den vielen Reisen für seine Kunden ein erfahrener und sehr geschätzter Berater. Er liebte seinen Beruf und kombinierte stilvoll die Futterstoffe zum Anzug. 

Firmensitz von W. Steinmüller & Sohn war das schöne oberbergische Haus "Tuch-Steinmüller" mitten in Gummersbach, am Baumhof gelegen. Ein schiefergedecktes Haus aus dem 16. Jahrhundert. Das Haus im historischen Stadtkern von Gummersbach war zunächst Bauernhaus, dann Kontorhaus, bevor es von Wilhelm Steinmüller als Wohn- und Geschäftshaus für seine Familie und seinen Tuchhandel W. Steinmüller & Sohn genutzt wurde.

Neuer Namensgeber des Hauses "Tuch Steinmüller“ ist heute der in Gummersbach geborene Künstler Bruno Goller, der seit 1927 in Düsseldorf lebte. Viele Gummersbacher Postkarten zeigten das Haus Tuch-Steinmüller, das heute unter Denkmalschutz steht.

Willi, der älteste Sohn von Friedrich Wilhelm und mit ihm die nächste Generation, wurde Mitte der 1920er Jahre als Teilhaber in die Firma aufgenommen. 

In Gummersbach stand das Unternehmen immer etwas im Schatten der sehr erfolgreichen und rasant wachsenden Dampfkesselfabrik L. & C. Steinmüller, die Friedrich Wilhelm Steinmüllers jüngere Brüder Lebrecht und Carl Steinmüller zu internationalem Ansehen führten. Bereits 1909 wurde der erste Steinmüller Kessel als bedeutendes technisches Meisterwerk in die Ausstellung des neu gegründeten Deutschen Museums in München aufgenommen. Mit dem weltweiten Erfolg entwickelte sich die Dampfkesselfabrik L. & C. Steinmüller in Gummersbach zum größten Arbeitgeber im gesamten Umkreis. Das Familienunternehmen Steinmüller hatte für Gummersbach und die Region eine enorme Bedeutung. Familie Steinmüller engagierte sich auch gesellschaftlich, sozial und politisch für Gummersbach. 

Haus "Tuch Steinmüller". Das Geschäftshaus von W. Steinmüller & Sohn in Gummersbach ist auch das Geburtshaus von Ernst Steinmüller.

Über siebzig alte Fotoalben und viele Dokumente seiner Vorfahren, der Familie Steinmüller, entdeckt Autor und Fotograf Wolfgang Groeger-Meier im Nachlaß seiner Mutter Margarete, genannt Gretel, Steinmüller. Die Fotoalben erzählen die kleinen und großen Geschichten der Steinmüllers. Geschichten von ihrem Unternehmergeist, ihren Start-ups und dem Savoir-vivre der Familie. Für die Recherche zu einem neuen Buchprojekt macht Wolfgang Groeger-Meier mit den alten Fotos und Erzählungen eine Zeitreise in die Familiengeschichte Steinmüller und in die Jugend seiner Mutter.

Gretel Steinmüller wuchs in Gummersbach auf als Tochter des Textilgroßhändlers Ernst Steinmüller und seiner Frau Marta, die sich in einem gesellschaftlichen Mikrokosmos einer Familie von Musikern und Erfindern, Gründern, Fabrikanten, Schreibenden und Textilgroßhändlern bewegten. Steinmüllers fuhren um 1870 nach Brüssel, Paris, London, Konstantinopel, Wien und fotografierten auf ihren Reisen. Schon im 19. Jahrhundert dachten Steinmüllers global und waren doch ihrer Heimatstadt sehr verbunden. Gretel Steinmüllers Familie begegnete Kaiser Wilhelm, Ludwig Erhard und Familie Habermas. Savoire-faire und menschliche Werte waren der Kompass der Familie. In diesem gesellschaftlichen Umfeld erlebte Gretel Steinmüller eine Jugend, die es heute in dieser Form in Deutschland wohl nicht mehr gibt. 

Wenn Gretel Steinmüller von ihrer Kindheit in der schönen Villa ihrer Eltern in Gummersbach, ihren vielen Reisen, ihrem Beruf und ihrem späterem Leben in Frankreich sprach, so strahlten Ihre blauen Augen. Von der Geschichte ihrer Familie erzählte Gretel Steinmüller "immer mit Humor, nie mit Allüren" - so eine Freundin über Gretel.

Eine Familiengeschichte, geprägt von menschlichen Werten und dem Willen zum Machen.

Das Examen frisch in der Tasche und auf dem Sprung nach München:  Gretel Steinmüller, Tochter des Textilgroßhändlers Ernst Steinmüller und seiner Frau Marta, hier 1951 in Köln.

Die Herren in der Geschäftsleitung des Tuchhandels W. Steinmüller & Sohn:

Friedrich Wilhelm August Steinmüller, 1838-1910, Gründer der Tuchgroßhandlung W. Steinmüller & Sohn, nicht signiertes Portrait

Ernst Ludwig Heinrich Steinmüller, 1873-1950, der jüngste Sohn des Gründers Friedrich Wilhelm August Steinmüller, Portrait von Anton Hackenbroich, entstanden 1951 nach einem Foto 

Friedrich Wilhelm Steinmüller, 1863-1949, ältester Sohn des Gründers Friedrich Wilhelm August Steinmüller, Portrait signiert August Köhler, 1.6.1929

Franz Wilhelm (Willi) Steinmüller, 1893-1959, Enkel des Gründers, Sohn von Friedrich Wilhelm Steinmüller, Portrait signiert C. Stolz 1961

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