W. Steinmüller & Sohn war ein Tuchgroßhandel mit Sitz in Gummersbach. Tuch Steinmüller wurde in Gummersbach die Familie um Friedrich Wilhelm Steinmüller, den Gründer des Tuchgroßhandels W. Steinmüller & Sohn, genannt.
Das Familienunternehmen führte eine Auswahl feiner Tuche, Futterstoffe, Flanell und Tweed für Herrenanzüge, sowie Schneiderbedarf. W. Steinmüller & Sohn belieferte Schneiderateliers von Hamburg bis München. In der Gründerzeit entwickelte sich W. Steinmüller & Sohn zu einer der bedeutendsten Tuchgroßhandlungen in Deutschland. Niederlassungen in Hamburg, Köln und Düseldorf betreuten die Kunden vor Ort. In Gummersbach blieb jedoch W. Steinmüller & Sohn immer im Schatten der sehr erfolgreichen und rasant wachsenden Dampfkesselfabrik L&C Steinmüller, die Friedrich Wilhelm Steinmüllers jüngere Brüder Lebrecht und Carl Steinmüller zu weltweitem Erfolg führten. Bereita 1909 wurde der erste Steinmüller Kessel im frisch gegründeten Deutschen Museum in München als technische Meisterleistung ausgestellt. Die Dampfkesselfabrik entwickelte sich zum größten Arbeitgeber in der Region und fand internationales Ansehen.
"Steinmüller ist Gummersbach - und Gummersbach ist Steinmüller" so lautete ein Bonmot. Familie Steinmüller hatte für Gummersbach und die gesamte Region im 19. und 20. Jahrhundert eine enorme Bedeutung als größter Arbeitgeber. Auch gesellschaftlich und sozial und politisch engagierte sich Familie Steinmüller in Gummersbach.

Eine Zeitreise durch die bewegte Geschichte seiner Vorfahren, der Familie Steinmüller, ist das neue Buchprojekt von Autor und Fotograf Wolfgang Groeger-Meier. In über siebzig alten Fotoalben und vielen Dokumenten seiner Familie entdeckt Wolfgang Groeger-Meier die kleinen und großen Geschichten der Steinmüllers, die von Start-ups, Unternehmergeist und Savoir-vivre erzählen. Für die Recherche zu seinem neuen Buch macht er mit den alten Fotos und Erzählungen einen Ausflug in die Vergangenheit und in die Jugend von Margarete Steinmüller, genannt Gretel, seiner Mutter.
Gretel Steinmüller wuchs als Tochter des Textilgroßhändlers Ernst Steinmüller in Gummersbach im gesellschaftlichen Mikrokosmos einer Familie von Musikern und Erfindern, Gründern, Fabrikanten und Textilgroßhändlern auf. Steinmüllers reisten um 1870 nach Brüssel, Paris, London, Konstantinopel, Wien und fotografierten auf ihren Reisen. Schon im 19. Jahrhundert dachten Steinmüllers global und waren doch ihrer Heimatstadt sehr verbunden. Ihre Familie begegnete Kaiser Wilhelm, Ludwig Erhard und Familie Habermas. Savoire-faire und menschliche Werte waren der Kompass der Familie. Gretel Steinmüller erlebte eine Jugend, die es in dieser Form heute wohl nicht mehr in Deutschland gibt.
Wenn Gretel Steinmüller von ihrer Kindheit in der schönen Villa ihrer Eltern in Gummersbach, ihren vielen Reisen, ihrem Beruf und ihrem späterem Leben in Frankreich sprach, strahlten Ihre blauen Augen. Von der Geschichte ihrer Familie Steinmüller erzählte sie "immer mit Humor, nie mit Allüren" - so eine Freundin über Gretel.
Eine Familiengeschichte, geprägt von menschlichen Werten und dem Willen zum Machen.
Auf diesen Seiten geht es weiter zu einem kurzen Blick in die Familiengeschichte Steinmüller aus Gummersbach, insbesondere den Zweig der Familie Steinmüller um den Tuchgroßhandel W. Steinmüller & Sohn:

Das Examen frisch in der Tasche und auf dem Sprung nach München: Gretel Steinmüller, Tochter des Textilgroßhändlers Ernst Steinmüller und seiner Frau Marta, hier 1951 in Köln.
W. Steinmüller & Sohn
Die Familientradition
Friedrich Wilhelm August Steinmüller war der älteste Sohn von Peter Wilhelm Eberhard Steinmüller, dem Musiker und Gründer des Familienunternehmens Steinmüller. Aus der väterlichen Papierfabrik schied Friedrich Wilhelm August Steinmüller 1864 aus und machte sich in Gummersbach mit seiner ersten Tuchgroßhandlung selbstständig. Inspiriert von seinem Großvater, dem Schneider Johann Steinmüller, und dem früheren Kolonialwarengeschäft seiner Eltern war er mit dem Handel vertraut und im Umgang mit feinen Stoffen geübt.
Diesen mit seinem Schwager gegründeten Tuchhandel verließ Friedrich Wilhelm August Steinmüller Ende 1888. Am Neujahrstag 1889 gründete er mit seinem ältesten Sohn Friedrich Wilhelm den Tuchhandel W. Steinmüller & Sohn für feine Futterstoffe, Tuche und Schneiderbedarf.
1899 wurde der jüngere Sohn Ernst Steinmüller, Gretels Vater, mit sechsundzwanzig Jahren zum Teilhaber von W. Steinmüller & Sohn. Mit Erfolg und guten Geschäften in Süddeutschland, insbesondere mit den großen Schneiderateliers in München, trug Ernst Steinmüller maßgeblich zu den vollen Auftragsbüchern von W. Steinmüller & Sohn bei.
Friedrich Wilhelm August Steinmüller, hier mit seiner Frau Auguste, geb. Hücking aus Lüdenscheid, gründete 1889 den Tuchgroßhandel W. Steinmüller & Sohn in Gummersbach.

Mit der Industrialisierung entwickelte sich auch die Textilindustrie rasant. Es waren die goldenen Jahre - auch die Schneiderateliers hatten eine Blütezeit mit vielen Aufträgen. Eleganz und Stil waren in der Gesellschaft gefragt. Ein maßgeschneiderter Anzug aus feinem Tuch mit entsprechendem Futterstoff war im 19. und 20. Jahrhundert die perfekte Visitenkarte eines Herren. Feine Details wie ausgesuchte Knöpfe, Garn und eine tadellose Verarbeitung durch den Schneider machten den perfekten Anzug aus.
W. Steinmüller & Sohn zählte zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland zu den ersten Adressen im Tuchhandel. Schneider und Unternehmen in ganz Deutschland bestellten ihre Stoffe, Garne und Accessoires bei Steinmüller. Die Tuchgroßhandlung W. Steinmüller & Sohn führte ausgewählte feine Stoffe wie Flanell, Tweed, Futterstoffe, Knöpfe, Garne, Zwirne im Sortiment. Steinmüllers kauften die Stoffe vorwiegend in England, Belgien und Frankreich ein. Zunächst belieferte W. Steinmüller & Sohn hauptsächlich Kunden im Rheinland und in Westfalen. Mit dem guten Ruf und viel Engagement weitete sich der Kundenkreis schnell aus. Nach dem ersten Weltkrieg eröffnete W. Steinmüller & Sohn Niederlassungen in Düsseldorf, Köln, Hamburg.
Firmensitz und Kontor war das schöne oberbergische Haus „Tuch Steinmüller“ mitten in Gummersbach, ein schiefergedecktes Haus aus dem 16. Jahrhundert. Das Haus im historischen Stadtkern von Gummersbach in der Brückenstraße war zunächst Bauernhaus, dann Kontorhaus, bevor es von Wilhelm Steinmüller als Wohn- und Geschäftshaus für seine Familie und seinen Tuchhandel W. Steinmüller & Sohn genutzt wurde.

Das Geschäftshaus von W. Steinmüller & Sohn in Gummersbach ist auch das Geburtshaus von Ernst Steinmüller.
Neuer Namensgeber des Hauses Tuch-Steinmüller ist der in Gummersbach geborene Künstler Bruno Goller, der seit 1927 in Düsseldorf lebte. Viele Gummersbacher Postkarten zeigten das Haus Tuch-Steinmüller, das heute unter Denkmalschutz steht.
Willi, der älteste Sohn von Friedrich Wilhelm und mit ihm die nächste Generation, wurde 1925 als Teilhaber in die Firma aufgenommen.
Zum 50. Firmenjubiläum der Firma W. Steinmüller & Sohn erscheint am 31.12.1938 ein Bericht im „Oberbergischen Boten“:
Wilhelm Steinmüller gründete 1889 den Tuchhandel zusammen mit seinem ältesten Sohn Friedrich Wilhelm, der in Brüssel und London seine Fachkenntnisse erweitern konnte. Friedrich Wilhelm engagierte sich nach dem ersten Weltkrieg als erster Vorsitzender des Verbandes der Großhändler in Futterstoffen und Schneiderbedarfsartikeln, was auch der Firma W. Steinmüller & Sohn Ansehen brachte.
Besonders dem großen Engagement von Ernst Steinmüller ist es zu verdanken, dass in Süddeutschland zahlreiche Schneider als dauerhafte Kunden gewonnen wurden und der Firma W. Steinmüller & Sohn sehr gute Umsätze sicherte.

Friedrich Wilhelm August Steinmüller, 1838-1910, Gründer der Tuchgroßhandlung W. Steinmüller & Sohn, nicht signiertes Portrait

Ernst Ludwig Heinrich Steinmüller, 1873-1950, Sohn des Gründers Friedrich Wilhelm August Steinmüller, Portrait von Anton Hackenbroich, entstanden 1951 nach einem Foto

Friedrich Wilhelm Steinmüller, 1863-1949, Sohn des Gründers Friedrich Wilhelm August Steinmüller, Portrait signiert August Köhler, 1.6.1929

Franz Wilhelm (Willi) Steinmüller, 1893-1959, Sohn von Friedrich Wilhelm Steinmüller, Portrait signiert C. Stolz 1961